Gedanken zum Thema Pferdedecken

Es ist kalt draußen, ungewöhnlich kalt, und damit ein Anlass mich mit einem Thema zu beschäftigen, zu dem ich immer wieder Nachfragen auch von ehemaligen Physiokunden bekomme: Es geht um Pferdedecken.

Als ehemaliger Distanzreiter habe ich immer viele, viele Decken für meine Pferde besessen. Nach und auch während der Belastung auf den anstrengenden Ritten, war es nämlich immer wichtig, die doch etwas empfindlichen Araber und ihre Muskulatur warmzuhalten. So ein Distanzritt ist nämlich schnell beendet, wenn die Muskulatur des Pferdes verspannt!

Legendär ist mein Distanzritt auf der Schwäbischen Alb mit der Haflingerstute Feine: Kalter Wind und Regen ließen die teilnehmenden Araber reihenweise aus der Wertung fallen, während die brave Feine wie unter Autopilot lief: Endlich Haflingerwetter! Meine Trosser wollten mir unterwegs immer eine Regenjacke und eine Decke fürs Pony anbieten. Aber wir brauchten nichts! Mit Tempo 3,4 ist sie dann ein respektables Ergebnis für ein Robustpony gelaufen. Und auch sie bekam hinterher defintiv Deckenschutz, obwohl sie im Alltag im Offenstall keine Decke trug.

Ich halte meine Pferde normalerweise ohne Decke im Offenstall. Generell brauchen Pferde nämlich erstmal keine Decke, wenn …

  1. sie sich bei Wind und Regen unterstellen können.
  2. sie nicht geschoren sind.
  3. sie keine gesundheitlichen Einschränkungen haben.

Vorausetzung ist also, dass sie gesund sind und ein ausreichendes Winterfell bekommen. Das hat natürlich nicht nur Vorteile. Wenn man sein langhaariges Offenstallpferd sportlich reitet, wird es mit dem Winterfell schwitzen und lange brauchen, bis es trocken ist. Entweder wartet man dann recht lange oder deckt nach ein paar Stunden sogar noch einmal die Decken um. Ich persönlich versuche im Winter dementsprechend weniger anspruchsvoll zu reiten.

Wir Menschen unterschätzen die Fähigkeiten von Pferden, sich den Temperaturen anzupassen, gerne. Die Komforttemperatur von Pferden liegt laut LMU München bei -15 bis +25 Grad Celsius. Für uns ist es also schon ungemütlich kalt, für die Pferde hingegen noch in Ordnung, sofern es nicht zu nass und windig ist. Aber wenn es kälter wird, brauchen Pferde mehr Raufutter, um die Nahrung zur Wärmeproduktion zu nutzen. Das heißt, dass wir die Fütterung bei zu großer Kälte unbedingt anpassen müssen. Und natürlich müssen wir darauf achten, dass die Pferde nicht zu nass werden. Sollte es lang anhaltend regnen, kann die Thermoregulation nicht aufrecht erhalten werden. Ich decke dann kurzfristig mit Regendecken ein, die meist mit Fleece gefüttert und ohne Wattierung sind, da unsere Pferde beispielsweise an der Heuraufe meist ungeschützt stehen.

Zu viel Schnee hat zu viel Nässe und Feuchtigkeit geführt – das war Deckenwetter!

Meine Reitponystute Canela hat beim Wintereinbruch letzte Woche tatsächlich gefroren, obwohl sie eigentlich dickes Winterfell hat. Es gab so viel Schnee, dass sie durchnässt ist. Ich habe sie dann mit einer 100 Gramm Decke eingedeckt. Sie ist gut durch diese Tage gekommen, sodass ich jetzt für einen regnerischen Übergangstag noch einmal auf die fleecegefütterte Decke umsteige, bevor sie wieder ohne Jacke raus darf.

Wenn es viel regnet, decke ich auch tagsweise ein.

Aber zu einer der Fragen zurück, die mich oft erreicht: Soll man ein Pferd mit Rückenproblemen eindecken? Ja! Generell eindecken würde ich Pferde, die gesundheitliche Einschränkungen haben. Das gilt für Rückenprobleme ebenso wie für ältere Pferde, die beispielsweise im Winter keine dickere Fettschicht mehr aufbauen.

Und wie immer gilt es, das eigene Pferd einfach genau zu beobachten. Fühlt es sich noch wohl oder ist es verspannt? Steht es gar zitternd im Regen und Wind? Dann decke ich natürlich ein, robustes Offenstallpferd hin oder her …

Dumm gelaufen: Araber Narjm trug nach dem Reiten eine Abschwitzdecke im Offenstall. Den Deckenwechsel hat er dann mal selbst vorgenommen …